Ja, ich habe mich selbst schon gefragt, was der erste Artikel nach langer (> 1 Monat) Blogabstinenz sein wird.
Aber jetzt wird es mir doch gleich ganz einfach gemacht: Wenn nicht nur Robert, sondern auch Patrick das Thema “Rules of Contact” bzw. “Blogger Relations” angehen, dann gehe ich doch mal mit. Oder dagegen an.
What happened? Oh, es gingen wohl wieder E-Mails ein, E-Mails unbedarfter PR-Kollegen aus ebenso unbedarften Agenturen, die wahlweise Blogger wie Journalisten angehen oder direkt für dumm verkaufen wollen.
Das mag sein. Das kommt vor. Nicht nur in den besten Familien. Das sollte aber nicht sein. Und ehrlich: Vielleicht ist es nachvollziehbar, dass ich mich besonders über teilweise nicht gerade genial verfasste Meldungen aus anderen Agenturen schäme freue, die an meine hier angegebene Adresse geschickt werden. Auch wenn in einem Satz darüber nachzulesen ist, wo ich arbeite. Aber gut.
Was mich kratzt, wenn ich bei Robert und Patrick lese?
Nein, es steht nirgendwo. Keiner behauptet, PR sei böse, Werbung dagegen gut. In den letzten Wochen lese ich es aber (jaja, selektive Wahrnehmung, ich weiß) mehr und mehr zwischen den Zeilen.
Was genau?
PR und Werbung sind in einigen Segmenten nicht mehr allzu weit voneinander entfernt. Ob es nun mal wieder darum geht, im Marketing-Mix die relevante Rolle zu spielen oder nicht, was an B-T-L, “Viral” und Online-Projekten in manchen Werbe-Konzepten zu finden ist, steht so oder so (sehr) ähnlich auch in manchen PR-Konzepten. Vielleicht unterscheidet sich manchmal noch das Vokabular oder der Fokus, aber das geheimnisvolle Posten eines Videos haben Kreative (oder so) auf beiden Seiten - Werbung und PR - in ihrem aktuellen Up-to-Date-Portfolio.
Et puis?
Angenommen, die Aktion kommt gut an: Klasse Werbe-Kampagne!
Angenommen, die Aktion kommt schlecht an: Miese PR-Kampagne!
Woher kommt das? Ist das fehlende Verständnis dafür, was PR ist oder wie sie funktioniert? Oder ist es die simple Tatsache, dass etwas Positives expressis verbis “gute Werbung” für eine Sache ist?
Zurück zu den E-Mails über Start-Ups oder was-auch-immer, die ungewollt in den Posteingang flattern.
Ist das nicht einfach Spam? Spam, der eventuell etwas persönlicher aufgemacht daherkommt?
Was bitte unterscheidet diesen von dem Spam, den ich tagtäglich in meinen Posteingang und Briefkasten gesteckt bekomme? Oh, vergessen, mein Lieblings-Spam: Automatische Anrufe eines lokalen Möbelhauses mit spannenden Aktionshinweisen - aber das ist eine andere Geschichte…
Ich sehe mir Patricks 10 Regeln noch einmal kurz durch, passt bestimmt nur auf PR, aber mal schauen:
1. Was habe ich davon?
Was habe ich vom 25. Mailing der XY-Lotterie, die mir ein ganz persönliches Super-Angebot macht?
2. Sind wir einmalig?
Ich bin bestimmt der einzige Frankfurter, dem immer mit blau-eingedruckter persönlicher Unterschrift (manchmal auch mit ebensolcher Briefanrede) ein total rundes Zeitungspaket angedreht werden soll. Und der einzige, der per Zufall im Internet ein total schickes Dingens gewinnen kann, wenn er fix klickt!
3. Können wir offen miteinander reden?
O.k., dieser Punkt lässt sich kaum persiflieren. Oder glaubt noch jemand daran, Frau Bertani mal schnell zu ihren Kirschen befragen zu können?
4. Müssen wir gemeinsam Schweine hüten?
Sind wir die besten Kumpels? Ich glaube, der Chef von dem Möbelhaus, der mich immer automatisch anrufen lässt, und ich, wir sind total dicke. Oder diese netten Leute mit den günstigen Telefontarifen.
5. Wieviel Lebenszeit müssen wir opfern?
Um über Werbung zu schreiben? Na, wenn es schlechte ist, macht das Schreiben Spaß, wenn es subjektiv gute ist auch. Und der Rest bietet sich als Zeit für den Gang zum Kühlschrank an, oder? Gut, wenn der Layer wieder meinen Bildschirm sprengt…
6. Müssen wir nach Eurer Pfeife tanzen?
Geheime Infos? Werbung? Die ich nicht verraten soll? Gut, merke ich mir mal. Mal sehen, ob ich das ein oder andere Super-Angebot nicht doch heimlich publik mache…
7. Marmor, Stein und Eisen bricht?
Nee, nee, meinen einmal erworbenen Artikeln und so, den bleibe ich IMMER treu. Und sammle auch Punkte. Und Digits. Und Meilen. Gutscheine. Bonus-Bäpper. Milchtaler. Und so. Und kritisiere die NIE!
8. Lügen haben kurze Beine.
Gut, das gilt NUR für PR. Werbebotschaften glaube ich IMMER.
9. To spin or not to spin?
PR will verkaufen. Werbung nicht. Oder so.
10. Wer ist schon gleich?
Richtig! Gut, dass ich jetzt auch bald meine Werbe-Mailing-und-Anruf-und-E-Mail-Regeln aufstelle. Da halten sich sicher alle dran! Und wenn nicht, dann watsche ich die sowas von ab!
Hey, ich muss an dieser Stelle mein Lieblings-Robert-Zitat (danke und Gruß!) bringen: “So what!?”
Schlechte Werbung ist schlechte Werbung. Und keine schlechte PR.
Schlechte PR ist schlechte PR. Und vielleicht schlechte Werbung für die Agentur.
Spam ist Spam. Das ist wenigstens noch einfach.